Dr. med. Gabriele Götz-Keil
Fachärztin für Innere Medizin, Onkologie, Sozialmedizin und Psychoonkologie

KREBS - KRISE UND CHANCE

Der Fluss als Sinnbild und Inspiration

Jede Krise und jede Sackgasse auf unserem Weg enthält eine Botschaft und bietet uns die Gelegenheit umzukehren. Es ist eine Chance, alte Muster loszulassen und neue Wege zu gehen. Oft genügt es, den Blickwinkel zu ändern, um neue Perspektiven wahrzunehmen. Die Konfrontation mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung verändert schlagartig die Prioritäten des Lebens. In diesem Augenblick spüren wir, was wirklich wichtig ist im Leben. Wir tun alle so, als ob wir ewig leben und verschieben die Erfüllung unserer Wünsche und Sehnsüchte häufig auf einen späteren Zeitpunkt. Das Wissen um die Begrenztheit des Lebens, lässt den Augenblick, das HIER und JETZT kostbar werden, denn er ist das einzige, was wir wirklich haben. Jeder würde eine sehr viel bessere und intensivere Zeit mit jeder Person verbringen, wenn er dächte, dass er das letzte Mal mit ihr zusammen wäre. Was am Ende des Lebens zählt sind unsere Freundschaften, Liebe, gemeinschaftliche Zugehörigkeit, innerer Friede und häufig eine Verbundenheit mit etwas Höherem. Genau hier liegen die Kraftquellen, aus denen wir bereits jetzt schöpfen können. Was der Seele gut tut, wo wir tiefe Freude und Erfüllung, unsere Lebensaufgabe und die Verbundenheit mit dem Höheren erfahren, da fließen unsere lebendigen Quellen. Da sind wir Im Fluss mit dem Leben. Wird das Fließen blockiert, dann stocken die Gefühle, die Beziehungen und das Wasser tritt über die Ufer – gleich einer Katastrophe oder Krankheit. Besinnen wir uns auf das verbindende im unendlichen Zyklus des Lebens, damit es in uns wieder zum Fließen kommt. 

Körper, Geist und Seele

Die Verbindung von Körper und Geist war zu allen Zeiten eine der wichtigsten Grundlagen traditioneller Heilsysteme auf der ganzen Welt. Nach Erkentnissen der Psychoneuro-immunologie findet zwischen Körper und Geist eine äußerst komplizierte wechselseitige Kommunikation statt. Unbewusst streben wir alle danach in Einheit mit Körper, Geist und Seele zu leben. Durch die Einheit erlangen wir die größte zielgerichtete Kraft. Die Seele als höchste Instanz unseres Selbst hat alle Weisheit, alles Wissen, alle Macht und alle Herrlichkeit.

Der Strahlentherapeut und Begründer der Psychoneuroimmunologie Dr. Carl O. Simonton sagte bereits vor 30 Jahren: „ NICHT sterben zu wollen ist zu wenig. Sie brauchen etwas WOFÜR Sie leben. Eine (Lebens-) Aufgabe, die Ihrem Leben einen  Sinn gibt und Freude und Erfüllung bringt. Unser Gehirn denkt nicht in Worten, sondern in Bildern. Wenn wir daran denken, nicht sterben zu wollen, sehen wir im Geiste automatisch ein Bild des Sterbens, vielleicht durchgestrichen. Wir sollten uns besser vorstellen (Visualisieren), wie die Krebszellen langsam den Körper verlassen. 

Bereits in pädagogischen Büchern habe ich vor Jahren gelesen, dass man einem Kind NICHT sagen sollte: „Lauf NICHT auf die Strasse, sondern: BLEIB auf dem Bürgersteig!“ Genauso wenig sollte man sagen: „Fall NICHT vom Baum“ sondern „HALT Dich am Ast fest!" Das heißt, unser Augenmerk sollte sich auf das richten, was wir wirklich wollen.


Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass unser Immunsystem voll aktiv ist, solange wir im Bann einer Aufgabe stehen. So sind Astronauten während der Monate im Weltall trotz allem Stress gesund; sie erkranken regelmäßig erst, wenn sie wieder auf der Erde gelandet sind und der Stress vorbei ist. Die Wechselwirkungen zwischen Psyche, Nervensystem und Immunsystem sind Gegenstand der Untersuchungen, der erst vor 30 Jahren gegründeten jungen Wissenschaft „Psychoneuroimmunologie“. Bereits im Medizinstudium vor 30 Jahren lernten wir, dass der Tod eines Ehepartners zu einem statistisch 2-3-fach erhöhtem Tod des Witwers/der Witwe im ersten Trauerjahr führt. Stress beeinflusst Immunfaktoren; so steigt nach Stress beispielsweise der Cortisonspiegel an, während die Zytokin-Produktion, die Reaktivität von T- und B-Lymphozyten, die Aktivität von Killerzellen und das sekretorische Ig-A im Speichel sinkt. Positive, vertrauensvolle Bindungen haben dagegen einen günstigen Effekt auf unser Immunsystem und Heilung; genauso wie moderater Sport, Singen, Freude und Entspannungsverfahren. Dadurch steigen immunkompetente Zellen, Leukozyten und Gewebshormone wie Interleukin, Interferon, Killerzellen und Immunglobuline etc. messbar um das 2-3 fache an. Wir Onkologen gehen davon aus, dass ab dem 40. Lebensjahr in jedem von uns täglich Krebszellen entstehen. Das war die schlechte Nachricht. Doch die gute Nachricht folgt sogleich: Unser Immunsystem kann sie vernichten! Und genau das tut unser Immunsystem ständig und unablässig! Setzen wir die Impulse so, dass unser Immunsystem im Einklang mit der Seele mit aller Kraft für unsere Gesundheit und unser Wohl arbeitet!

Unten sehen Sie Fotos von berührenden Momenten, die mir Energie gegeben haben.