Dr. med. Gabriele Götz-Keil
Fachärztin für Innere Medizin, Onkologie, Sozialmedizin und Psychoonkologie

MEIN WEG MIT DEM KREBS

"Als ich 21 Jahre alt war verstarb mein Vater 47-jährig an Darmkrebs. Diese frühe Konfrontation mit der Krankheit Krebs hat mein ganzes Leben geprägt. Zunächst meinen Berufswunsch Ärztin zu werden. Später wurde ich selbst Patientin."  

Dr. med. Gabriele Götz-Keil

Mein Weg als Patientin


Bereits vor meiner Diagnose Brustkrebs führte ich während der Kurse „Modellieren mit Ton“ mit der Kursleiterin Erika Bopp intensive Gespräche über Brustkrebs. Sie hatte nach ihrer eigenen Diagnose Brustkrebs im Alter von 50 Jahren ihr Leben radikal verändert und ihren Lebenstraum mit Ton zu plastizieren umgesetzt.

Interessanterweise modellierte ich wenige Monate vor meiner Erkrankung eine Frau, die ich im Wartezimmer meiner künftigen Praxis aufstellen wollte. Die Figur hielt beide Arme schützend über ihren Kopf, den ich mit sog. Chemo-Locken ausstattete. Meine Patienten sollten sich beschützt fühlen durch das Ansehen der Figur. Wenig später sollte diese Figur für mich selbst Schutz sein. 

Zur Abklärung eines Tumors wurde ich zu dem gynäkologischen Chefarzt Dr.Ulrich Groh nach Bad Nauheim überwiesen, bei dem ich mich sofort, sowohl menschlich als auch fachlich, bestens aufgehoben fühlte. Ihm gelang der Spagat mühelos, mich sowohl als Onkologin, als auch als Patientin anzusprechen. Die Betreuung durch ihn war das Beste, was mir als Patientin und Mensch begegnen konnte (www.gz-w.de). 

Meine älteste Freundin Hildegard aus Aachen, die ich durch die Studienstiftung Cusanuswerk kennen gelernt habe, machte mich aufmerksam auf Qi Gong nach Gualing und tatsächlich fand ich ein Kursangebot einer Chinesin in Giessen und machte mindestens ein Jahr lang täglich, später weniger häufig, an der Lahn entlang tanzend eine Stunde diese meditativen Bewegungsübungen. 

Bevor ich in die radiologische Praxis zur Untersuchung meines gefühlten Knotens ging, warf ich die Anmeldung zu einem Psychodrama-Seminar: "Den inneren Krafttieren begegnen“ in den Postkasten. Das Seminar sollte nach meiner letzten Chemotherapie stattfinden und irgendetwas trieb mich trotz völlig entzündetem Mund (ich konnte nur noch mit Strohhalm trinken) zum Seminar nach Stuttgart zu fahren. Der Psychodrama Ausbilderin und  Psychoanalytikerin Karin Elias habe ich es zu verdanken, dass ich Zugang zu meinen Gefühlen und zu meinem inneren Kind bekam und meinem –mir bis dahin völlig unbekannten - indianischen Krafttier begegnete. Ich weiß nur, dass es mir half und Zuversicht gab. 

Bei Sybille Schweizer-Walter habe ich später ein indianisches Schwitzhüttenritual mitgemacht, bei dem ich mich von vielem löste und dankbar wurde. Vor Weihnachten spürte ich das dringende Bedürfnis, unser Haus durch einen katholischen Priester mit Weihrauch weihen zu lassen. Im Gespräch mit dem Kaplan kamen wir auf das Singen im Domchor zu sprechen, in dem ich mittlerweile seit 2003 mit wachsender Begeisterung singe. (www.dom-wetzlar.de) In der anthroposophischen Klinik Öschelbronn fand ich in der Kunsttherapie beim Plastizieren mit Ton meine Kraftquellen und lernte loszulassen von meiner fixen Idee, mich als Onkologin am Krankenhaus in Wetzlar niederlassen zu müssen. Hier eröffnete sich für mich erstmals der Gedanke, dass es auch eine andere Perspektive geben könnte. 

In der psychologischen Gruppe des Kunsttherapeuten Josef Ulrich lernte ich die Macht der Gedanken kennen und dass es einen Unterschied macht, ob ich sage: „In zwei Jahren bin ich sowieso tot“ oder „ In zwei Jahren kann ich tot sein oder leben. Aber was ich HEUTE mache, trägt möglicherweise entscheidend dazu bei, wie der Verlauf sein wird. Und HEUTE lebe ich. (Buchautor Josef Ulrich: Selbstheilungskräfte)Von Ursula Friedrich, Mandala-Zentrum Wetzlar erhielt ich eine Beratung über die Simonton-Methode und eine Meditationskassette zur Aktivierung des Immunsystems, die ich mehrere hundert Mal hörte.

Mein Weg in der Medizin

Ich wurde 1956 in Braunfels geboren und studierte nach dem Abitur 1975 an der Philipps-Universität Marburg als Stipendiatin des Begabtenförderungswerks der katholischen Kirche, dem Cusanuswerk. Die Approbation als Ärztin erhielt ich 1982, 1983 folgte meine Promotion zum Doktor der Medizin im Fachbereich Humangenetik. Nach meiner Ausbildung flog ich zunächst nach Peru, wo ich vier Monate im Hospital Goqueneche in Arequipa arbeitete und an Wochenenden Ausflüge ins Anden-Hochland zur notdürftigen medizinischen Versorgung der Bevölkerung unternahm. 

Am Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf absolvierte ich 1989 schließlich die Prüfung zur Fachärztin für Innere Medizin, 1991 zur Hämatologin und Onkologin. Nach achtjähriger Tätigkeit an Kliniken wechselte ich in den niedergelassenen Bereich und arbeitete dort ebenfalls acht Jahre, größtenteils in eigener Praxis in Darmstadt. Während dieser Zeit machte ich eine zweijährige psychotherapeutische Weiterbildung mit Abschluss als Psychodrama-Assistentin am Moreno-Institut in Überlingen. Neben den psychotherapeutischen Aspekten haben mich auch die sozialen Aspekte der Medizin immer interessiert und so erwarb ich während einer zweijährigen berufsbegleitenden ärztlichen Weiterbildung die Zusatzbezeichnung Sozialmedizin. 2010 folgte ein Abschluss als Psychoonkologin der mich u.a. an das Hochwald-Krankenhaus in Bad Nauheim führte und ich begann, Seminare zum Thema "Wiederentdeckung der Weiblichkeit und Lebenslust" für Frauen nach Brustkrebs zu geben. 

Durch meine eigene Krebserkrankung haben sich für mich viele neue Wege eröffnet und auch der Weg in die Klinik Taunus/Reha-Zentrum Bad Nauheim aufgetan, in der ich seit 2002 als Oberärztin tätig bin. Hier fühle ich mich berufen, meine Erfahrungen und Fähigkeiten einzubringen, um die Patienten ganzheitlich auf ihrem Weg zu begleiten. Als selbst betroffene Onkologin bin ich den schulmedizinischen, den komplementär-medizinischen und auch spirituellen Weg gegangen. Wenn Sie Interesse an einem Vortrag von mir an Ihrer Klinik haben oder eine Lesung aus meinem aktuellen Buch wünschen, setzen Sie sich gerne mit mir in Verbindung. Ich freue mich auf Ihre Anfrage, am besten per E-Mail > Zum Kontaktformular  

 Oben sehen Sie die Skulpturen, von denen im Text berichtet wird: Links die Frau mit den schützenden Händen, die Goldene Schale, rechts die modellierte Büste nach Amputation.